Wurzelkanalbehandlungen

Fall 1

Typischer Fall einer Wurzelkanalbehandlung an einem Sechsjahrmolaren (erster großer Backenzahn, hier Zahn 26) im Oberkiefer. Dabei konnte die alte Goldteilkrone belassen werden; die Zugangskavität (Trepanationsöffnung) wurde am Ende mit einem Komposit (Kunststoff) verschlossen.

In der mesiobukkalen Wurzel (auf dem Bild die linke Wurzel) befinden sich in über 90 % der Fälle zwei Kanäle (mb1 und mb2), die dicht nebeneinander liegen, so dass man sie röntgenologisch meist nicht getrennt voneinander darstellen kann. Hier sind sie aufgrund der unterschiedlichen Höhe der Wurzelkanalfüllungen am Kanaleingang zu erahnen.

Einblick in die Trepanationsöffnung auf die palatinale (zum Gaumen hin gelegene) Wurzelkanalfüllung (rosa).

Blick auf die Wurzelkanalfüllungen der drei bukkalen (zur Wange hin gelegenen) Kanäle (mb1, mb2 und db).

Fall 2

Dunkle Bereiche an den Wurzelspitzen (röntgenologisch: apikale Aufhellungen) deuten auf einen entzündlich bedingten Knochenabbau (Parodontitis apicalis) – verursacht von einer mikrobiellen Besiedelung des Kanalsystems – hin. Die alten Wurzelkanalfüllungen müssen daher entfernt und die Kanäle erneut aufbereitet, gereinigt und schließlich wieder gefüllt werden. Diese erneute Behandlung nennt man Revision.

Die ersten großen Backenzähne im Unterkiefer (hier Zahn 46) haben i. d. R. drei oder vier Wurzelkanäle. Während der Revision der alten Wurzelkanalfüllungen stellte sich heraus, dass der Zahn neben den bisher vom Erstbehandler gefundenen drei Kanälen noch zwei weitere aufwies.

Blick in die Trepanationsöffnung auf die drei Wurzelkanalfüllungen der mesialen (vorderen) Wurzel.

Hier sind zudem die Füllungen in der distalen (hinteren) Wurzel erkennbar, deren beide Kanäle einen gemeinsamen im Querschnitt ovalen Eingang haben und sich erst etwas weiter apikal voneinander trennen.

Das Kontrollbild einige Monate nach der Revision zeigt eine vollständige knöcherne Regeneration.

Fall 3

In der mesialen Wurzel (im Bild die rechte) des wurzelkanalgefüllten Zahnes 46 befindet sich ein abgebrochenes Instrument, was vom Erstbehandler scheinbar unbemerkt blieb.

Röntgenkontrolle nach Entfernung des alten Wurzelkanalfüllmaterials; das Fragment befindet sich noch immer im Kanal und ist nun zugänglich.

Das abgebrochene Instrument konnte durch den Einsatz von Ultraschall gelockert und mithilfe der Spüllösung herausbefördert werden.

Auch hier wurde wieder ein weiterer Kanal (middle mesial, mm) gefunden. In der mesialen Wurzel sind somit drei (sonst meist zwei) Wurzelkanäle (mb, mm und ml, die beiden letzteren am Kanaleingang miteinander verbunden) aufbereitet und gefüllt worden.

Der Kanal in der distalen Wurzel hatte einen sehr länglichen Querschnitt.

Röntgenkontrolle einige Monate später mit weitgehend gesunden parodontalen Verhältnissen.

Fall 4

Diese Teenagerin – die sich zu diesem Zeitpunkt zudem in einer kieferorthopädischen Behandlung befand – hatte sehr starke Schmerzen an Zahn 36. Auf dem Röntgenbild ist eine ausgedehnte Entzündung zu erkennen.

Vollständig ausgeheilte Strukturen einige Monate später.

Fall 5

Dieser Teenager hatte zwar nur leichte Schmerzen an Zahn 22; jedoch waren eine deutliche Schwellung und ein Fistelgang (zur röntgenologischen Darstellung mit eingeführtem Guttaperchapoint) festzustellen. Dieser Zustand ist vermutlich als Spätfolge eines Traumas (z. B. heftiger Stoß auf den Zahn) anzusehen.

Trotz der ursprünglich erheblichen Entzündung kann eine vollständige Ausheilung beobachtet werden. Typisch für Jugendliche in diesem Alter sind die noch großvolumigen Wurzelkanäle.

Fall 6

Aufgrund von Aufbissbeschwerden musste die Wurzelkanalbehandlung an Zahn 25 revidiert werden. Interessanterweise wurde der Zahn zwar mit einer (leider sehr dicken) Schraube versorgt, jedoch war keinerlei Wurzelkanalfüllmaterial erkennbar.

Die fünften Zähne im Oberkiefer haben im Allgemeinen ein oder zwei Kanäle; dieser hatte sogar drei.

Fall 7

Wegen Aufbissbeschwerden waren die Wurzelkanalbehandlungen an den Zähnen 14 und 15 zu revidieren. Am Zahn 15 musste zudem – um Zugang zum Kanalsystem zu erhalten – zuvor der metallische Stift entfernt werden.

Röntgenkontrolle etwa ein Jahr danach. Ein leichtes Überpressen von Wurzelfüllpaste (Sealer) über die Wurzelspitze hinaus ist unproblematisch und wird je nach endodontischer Philosophie sogar angestrebt.

Fall 8

Ähnliche Ausgangssituation wie im vorhergehenden Fall. Hier mussten an beiden Zähnen (Zähne 24 und 25) zuvor die metallischen Wurzelstifte entfernt werden.

Manchmal gelingt es sogar, feine Seitenkanäle mit aufzufüllen (distale Wurzelwand an Zahn 25).

Fall 9

Zahn 24 (links im Bild) mit Pulpanekrose (abgestorbener „Zahnnerv“) und apikaler Parodontitis. Unvollständige, revisionsbedürftige Wurzelkanalfüllungen an den Zähnen 25 und 26.

An Zahn 25 (mittlerer Zahn) ist eine Verbindung zwischen beiden Kanälen erkennbar. Von solch einer Korrespondenz ist beim Vorhandensein von zwei (oder mehr) Kanälen innerhalb einer Wurzel immer auszugehen.

Fall 10

Erhebliche Verfärbung von Zahn 21 als Spätfolge eines Schwimmbadunfalls vor 13 Jahren. Bei diesem Zahn ist die Pulpa (der „Zahnnerv“) abgestorben; eine Wurzelkanalbehandlung ist daher notwendig.

Der Kompositaufbau am anderen mittleren Schneidezahn (Zahn 11) weist Randspalten auf.

Das präoperative Röntgen­bild zeigt eine apikale Aufhellung am Zahn 21. Zudem ist die ausgeprägte Trichter­form des Wurzelkanals erkennbar.

Eine besonders dunkle Zone scheint sich im Bereich der Schmelz-Dentin-Grenze gebildet zu haben.

Die Kontrollaufnahme nach der Wurzelkanalfüllung lässt im Vergleich zum präoperativen Röntgenbild die Bemühung erkennen, die Kanalwände nicht noch weiter auszudünnen.

Nachdem der Zahn 21 zunächst intern gebleicht (Walking-Bleach-Technik) worden war, erfolgte abschließend noch ein externes Bleichen beider Zähne.

Kavitätenpräparation am Zahn 11 vor Applikation des neuen adhäsiven Kompositaufbaus.

Nach Abschluss der Behandlungsmaßnahmen.

Im Bereich der (abradierten) Schneidekante von Zahn 21 konnte keine vollständige Farbangleichung erzielt werden, was jedoch vom Patienten im Alltag als nicht störend empfunden wurde.

Nach gut einem Jahr scheint die apikale Region am Zahn 21 entzündungsfrei zu sein.

Fall 11

(Noetzel: Endodontie 19: 287-294, 2010)

Ausgangssituation mit insuffizienter provisorischer Brücke.

Nach Abnahme der Brücke wurden die Randspalten und breiten Zementfugen der Stift-Stumpf-Aufbauten sowie marginale Entzündungen sichtbar.

Durch die Ansicht von inzisal wird darüber hinaus die reduzierte Kieferkammbreite in Regio 11 aufgrund des Zahnverlustes verdeutlicht.

An diesem Zahn (12) wurde vermutlich beim ersten Versuch einer Präparation für den Stift-Stumpf-Aufbau (SSA) die Zahnachse nicht beachtet. So kam es zu einer Perforation (Durchbrechung der Wurzelkanalwand).

Zustand mehrere Jahre nach einer Wurzelspitzenresektion (chirurgische Entfernung der Wurzelspitze) an Zahn 21 (linker Zahn).

Stark blutende mit Guttapercha gefüllte Perforation (links) nach Entfernung des SSA an Zahn 12.

Kranzförmige Aufbaufül­lung, aufbe­reiteter Wurzelkanal (rechts) und mit MTA (Mineralisches Trioxidaggregat) gefüllte Perforation (links).

Zur Wurzeloberfläche annähernd bündige Füllung mit MTA.

Die Röntgenkontrolle zeigt die Einhaltung der Arbeitslänge am trichterförmig resezierten und vermutlich anresorbierten Zahn 21.

Im Zuge der Implantation in Regio 11 wurde eine Bindegewebsverlagerung von palatinal (vom Gaumen her) nach labial (zur Lippe hin) durchgeführt.

Dadurch konnte eine bessere vestibuläre Ausformung des Kieferkamms erzielt werden.

Eingesetztes Zirkonoxid-Abutment (Pfosten) am Implantat 11. Die drei Zähne wurden mit Glasfaserstiften und Kompositaufbauten für die Aufnahme von Einzelkronen vorbereitet.

Vier Wochen nach Eingliederung der vollkeramischen Kronen (Zahntechnik: Ralf Stein Zahntechnik GmbH, Berlin).

Röntgenkontrolle nach über vier Jahren.

Gesunde Verhältnisse auch an den Zähnen 21 und 22.